Der JAGO Healing™ Gesundheitsblog

Dein Winter entscheidet sich im August (Teil 1 von 3)

Die meisten Menschen kümmern sich um ihr Immunsystem, wenn es bereits zu spät ist


Anfang November, wenn der erste Infekt im Büro die Runde macht. Dann wird Zink gekauft, Vitamin C bestellt, heiße Zitrone getrunken.
Physiologisch ist das der falsche Zeitpunkt. Nicht, weil es nichts bringt – sondern weil die entscheidenden Weichen Wochen vorher gestellt werden.
Dein Immunsystem ist kein Notfallsystem, das sich auf Zuruf aktivieren lässt. Es ist ein Stoffwechselprozess, der Baustoffe, Regeneration und
Rhythmus braucht. Und all das wird jetzt, im Spätsommer, aufgebaut.


Was im August passiert – und was ab Oktober nicht mehr geht


Ein Beispiel, das sich gut messen lässt: Vitamin D.
Auf unserem Breitengrad steht die Sonne von etwa Oktober bis März zu flach, als dass die UV-B-Strahlung eine relevante Eigensynthese in der Haut
ermöglichen würde. Was in diesen Monaten im Körper ankommt, stammt aus zwei Quellen: aus deinen Speichern und aus dem, was du gezielt
zuführst.
Das bedeutet: Dein 25-OH-Vitamin-D-Wert im August ist dein Jahreshoch. Ist er jetzt schon im unteren Bereich, wird er im Januar nicht besser sein –
er wird deutlich darunter liegen.


Ähnlich verhält es sich mit anderen Größen, die für die Immunkompetenz relevant sind:


Ferritin: der Eisenspeicher. Immunzellen müssen sich bei einer Infektion rasant vermehren. Zellteilung braucht Eisen. Ein Ferritinwert, der zwar
„im Referenzbereich“ liegt, aber am unteren Rand, ist funktionell etwas anderes als ein gut gefüllter Speicher.
Zink: zentral für die Barrierefunktion der Schleimhäute und die Reifung der T-Zellen. Der Körper hat kein nennenswertes Zinkdepot, die
Versorgung muss laufend gedeckt werden.
Selen: Bestandteil wichtiger antioxidativer Enzymsysteme. Deutschland gilt als Selenmangelgebiet, weil die Böden entsprechend arm sind.
Vitamin B12 und Folsäure: ebenfalls direkt an der Zellteilung beteiligt. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung besonders relevant.


Immunsystem ist kein Organ. Es ist ein Zusammenspiel.


In meiner Praxis arbeite ich beim Thema Infektanfälligkeit auf vier Ebenen. Kein einzelner Baustein ersetzt die anderen:


1. Nährstoffversorgung. Die messbare Ebene. Ohne Baustoffe keine Immunantwort – und ohne Laborwert keine Aussage darüber, welche Baustoffe
fehlen.
2. Barrieren. Haut, Atemwegsschleimhaut, Darm. Der überwiegende Teil der immunkompetenten Zellen sitzt im darmassoziierten Immungewebe. Ein
gereizter Darm ist deshalb kein isoliertes Verdauungsthema, sondern ein Immunthema.
3. Regeneration und Nervensystem. Ein Körper, der dauerhaft im Aktivierungsmodus läuft, hat schlicht keine Kapazität für Reparatur. Das ist die
Ebene, die sich über die Herzratenvariabilität objektivieren lässt – dazu mehr in Teil 2 dieser Serie.
4. Rhythmus. Licht, Schlaf, Essenszeiten, Bewegung. Der Übergang vom Sommer- in den Winterrhythmus ist für viele Menschen der eigentliche
Stressor – nicht das Virus.


Warum „einfach mal was nehmen“ der teuerste Weg ist


Nahrungsergänzung ohne Standortbestimmung ist Raten mit Rechnung. Drei typische Konstellationen aus der Praxis:


Vitamin D ohne bekannten Ausgangswert. Bei niedrigem Status ist die übliche Erhaltungsdosis zu gering, um in relevante Bereiche zu kommen. Bei
bereits gutem Status ist eine hoch dosierte Dauergabe unnötig.
Zink über Monate hoch dosiert. Zink und Kupfer konkurrieren um dieselben Transportwege. Eine dauerhaft hohe Zinkzufuhr ohne Kontrolle kann
den Kupferhaushalt beeinflussen.
Eisen auf Verdacht. Müdigkeit hat viele Ursachen. Eisen zuzuführen, ohne den Speicher zu kennen, ist nicht harmlos – überschüssiges Eisen ist im
Körper kein neutraler Stoff.


Die Alternative ist unspektakulär und wirksam: erst messen, dann gezielt auffüllen, dann kontrollieren.

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